Gott ist mein Co-Pilot

Jugendarbeit im Dekanat Koblenz im Bistum Trier
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Zum Nachdenken am 9. November 2015…

November8

Das Drama des Luxusdampfers St. Louis im Frühjahr 1939 – betrachtet im November 2015

Die gewalttätigen Übergriffe auf Juden in der Reichspogromnacht 1938 war im Ausland nicht unentdeckt geblieben. Hier musste also Beruhigung her. Andererseits war den Juden im Deutschen Reich nun klarer, wie bedroht sie wirklich waren. Viele von ihnen wollten das Land verlassen und im Ausland um Asyl bitten, aber das war nicht so einfach. Die Geschichte des Schiffes „St. Louis“ bietet dafür ein Beispiel – an ihm kann man aber auch die gleichen Handlungsmuster ablesen, die auch die aktuelle Auseinandersetzung um die Flüchtlinge bestimmen.
Der Luxusdampfer „St. Louis“ gehörte der Hapag Loyd, war also ein staatliches Schiff für den Transit auf dem Atlantik. Nach der Reichspogromnacht wurden den Juden, die es sich leisten konnten, Tickets auf diesem Schiff zur Ausreise angeboten. Angezielt war, im Mai 1939 in Kuba anzukommen, von dort sollte es weitergehen in die USA, die Einwanderungslisten waren schon fertig. Über 900 Tickets wurden verkauft, die jüdischen Familien verkauften ihre Häuser, ihr letztes Hab und Gut; sie hatten eine Reichsfluchtsteuer zu zahlen, die Landungspermits für Havanna kosteten ebenfalls hohe Gebühren, auch die Erfassung auf den Einwanderungslisten, sie packten in ihre Koffer die letzten Reste ihres alten Lebens – kurz und gut, sie brannten alle Brücken hinter sich ab, vor sich eine ungewisse Zukunft. 300 Juden wurden aus Konzentrationslagern für diese Ausreise geholt. Das alles sollte die Weltöffentlichkeit wahrnehmen; Reichspropagandaminister Goebbels wollte glauben machen: so schlimm sind die Nazis gar nicht – sie lassen die Juden nicht nur frei, sie geben ihnen sogar eines ihrer besten Schiffe! Alles lief gut auf der Reise, man war zwei Wochen lang in einer hoffnungsvollen Zuversicht. Als die St. Louis vor Havanna ankerte, stellte sich heraus, dass ein korrupter Regierungsbeamter die Landepermits gefälscht und sich das Geld in die eigene Tasche gesteckt hatte. Die kubanische Regierung, die damals in Konkurrenzkämpfe verstrickt war (es gehört dazu auch Fulgencio Batista, den Fidel Castro später aus dem Amt jagen würde…), weigerte sich, die jüdischen Flüchtlinge an Land zu lassen. Es müssen sich auf der St. Louis schreckliche Szenen abgespielt haben, es gab sogar einen Selbstmord.
Kapitän Gustav Schröder kabelte die USA an, der versuchte sogar, heimlich an der Küste von Miami zu landen. Aber die internationale Presse hatte den Skandal bereits gewittert, die St.Louis stand Tag und Nacht unter Beobachtung. Präsident Roosevelt lehnte die Flüchtlinge ab – er stand im Wahlkampf seiner dritten Kandidatur. Die eigentlich einwandern wollten in die USA: ihnen wurde nicht einmal mehr Asyl gewährt. Mit bewaffneten Küstenbooten wurde die St. Louis von der amerikanischen Küste vertrieben. Telegramme und Briefe von Angehörigen der Flüchtlinge an Bord wurden nicht beachtet.
Kapitän Schröder verlangsamte die erzwungene Rückreise nach Europa – er musste zurück, das Schiff war wenige Tage später schon als Luxusdampfer in Cuxhaven gebucht. Die schreckliche Lage an Bord kann man sich kaum vorstellen: Sie sollten alle zurück in das Land, in dem sie nur Erniedrigung und Tod zu erwarten hatten.
Die Verlangsamung der Fahrt und das mühselige Kabeln brachte eine Lösung: Großbritannien, Frankreich, Belgien und die Niederlande erklärten sich bereit, jeweils einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen – vorausgesetzt, sie oder jüdische Organisationen würden für ihren Unterhalt aufkommen. Und so wurde die St. Louis im Ärmelkanal ausgebootet; die Flüchtlinge kamen in Lager und Massenquartiere, die meisten sehr schlecht ausgestattet und eingezäunt. Ihre Lage verschlechtert sich nach dem Kriegsbeginn am 1.9.1939: Die Schutzsuchenden galten im Gastland als „feindliche Ausländer“; es gibt sogar Demonstrationen gegen sie.
Die rund 300 Flüchtlinge in England überlebten, die in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gerieten in den ersten Monaten der deutschen Eroberungen wieder in die Hände der Nazis. Sie haben die Konzentrationslager nicht überlebt.

Alles kommt vor, was wir aus der heutigen Auseinandersetzung um die Kriegsflüchtlinge kennen:
Ablehnen von Hilfeleistung wegen eines Wahlkampfes, Flüchtlinge als Spielball von Innenpolitik, Korruption, zerstrittene Parteien, mit den Flüchtlingen Geld machen, Zäune und Einschränkung der Freiheit, peinliche Auflagen – rundum deutliche Zeichen, wie unwillkommen die Flüchtlinge sind.
Zum Glück gibt es ehrenamtliche Hilfe – aber auch sie ist damals wie heute nicht so gewürdigt, dass sie in der Lage ist, die Richtlinien der Politik zu bestimmen.
Und noch eines: Wer nichts tut, wegschaut und nicht hilft, obwohl man dazu in der Lage wäre, wird zum Helfer der Verfolger. Man muss es so sagen: Von der Reichspogromnacht bis 1940 hätten nahezu alle in Deutschland und Österreich lebenden Juden gerettet werden können, wären die anderen Staaten bereit gewesen, sie aufzunehmen. Die Flüchtlingspolitik der sog. freien Welt gehört zu den besonders schmachvollen Begleiterscheinungen des Nationalsozialismus.

Damit mein Beitrag nicht völlig negativ endet, sei auf gelungene Rettungen durch Asylgewährung verwiesen: Schweden war großzügig (das kann man auch in den gerade erschienenen Tagebüchern 1939-1945 von Astrid Lindgren nachlesen) und erinnert sei an Willy Brandt und Fritz Bauer….

Aus Psalm 55:
Mein Herz bebt in meiner Mitte, Todesschrecken sind auf mich gefallen,
Angst und Zittern kommen zu mir, Schrecken bedecken mich.
Hätte ich Flügel gleich einer Taube,
fliehen wollte ich und Ruhe finden.
Weit, weit weg möchte ich flüchten, in der Wüste übernachten,
zu einem Zufluchtsort eilen.

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Ergebnis des 2nd Hemd&Hose-Marktes: 11.056 Euro. Vielen Dank allen, die Kleidung gespendet und tatkräftig mitgeholfen haben! Das Geld wird für körperlich benachteiligte Jugendliche in Bolivien verwendet.

März4
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Plan B – aus Alt wird neu – und das mit viel Spaß am Erfinden – der nächste Workshop ist am 21.März in Maria-Hilf, Koblenz

März4

„ Plan B“ – Ein Projekt, das vom 2nd Hemd und Hose-Markt ausging und weite Kreise zieht

Die Fülle der Kleidungsstücke an jedem 2nd Hemd und Hose Markt reizt: Die einen bleiben stundenlang, um jedes Stück einzeln betrachten und viele anprobieren zu können – die anderen, um sich anregen zu lassen, mit den Stoffen oder Einzelteilen der Textilien zu arbeiten, die ja meistens von besonders guter Qualität sind. Dass wir in Brigitte Pappe eine Stoffkünstlerin gefunden haben, die wirklich jedem Stück noch eine zweite Chance geben kann durch ihre Kreativität und ihr Geschick, beflügelt seit zwei Jahren alle, die an den Workshops unter dem Label „Plan B“ aktiv teilnehmen. Mittlerweile bieten wir die Samstage (jeweils von 9.30 bis 18.00 Uhr) zum einen für Jugendliche, zum anderen für Frauen an, weil das Interesse so groß ist. Natürlich sind es vor allem Mädchen und Frauen, noch ist traditionellerweise die weibliche Hand näher an der Produktion und Pflege von Textilien als die männliche. Schade, aber es gibt schon Ausnahmen…

Das kennen wir ja alle: Eine Hose ist zu eng geworden, der Schnitt der Blousonjacke oder des Abendkleides ist mega-out, die Flecken aus der Tischdecke gehen nicht mehr raus, im Schrank liegen noch stapelweise Kopfkissenbezüge oder Tischläufer mit handgearbeitetem Richelieu-Muster (hat die Oma sicher monatelang dran gestickt!), es gibt zig Krawatten, die kein Mensch mehr trägt, einige Pullover sind zu heiß gewaschen, eingelaufen und verfilzt, also nicht mehr zu gebrauchen, das Karo-Muster des langen Rocks ist zwar noch schön, aber der Schnitt ist von vorgestern, die Jeans ist an entscheidenden Stellen eingerissen, das Sommerkleid ist zu eng geworden, die Ärmel am Mantel oder an der Jacke sind zu kurz…alles Problemfälle, die im 2nd Hemd und Hose Markt landen. Für all das gibt es Lösungen, keine Frage, man muss sie nur finden und ausprobieren. Manche TeilnehmerInnen bringen ihre „Problemfälle“ mit, manche bedienen sich an den Textilien und Stoffstücken, die wir vom Markt behalten haben. Sie wandern (gelegentlich angereichert durch ein Paket voller Kittelschürzen von der Firma Striebel) von Workshop zu Workshop.

Was man/frau braucht: eine ungefähre Idee, Mut, mit der Schere in den Stoff zu schneiden, etwas Geduld, denn Auftrennen gehört auch dazu, eine Nähmaschine, ein Bügeleisen und eine Gruppe von Menschen, die ermutigen und gemeinsam Spaß am Experiment entwickeln. Hier ein paar Ideen: eine zu eng gewordene Hose kann man umdrehen und in ein Trägerkleid verwandeln, ein Kleid kann man in zwei Teile zerlegen (wer möchte den Rock, wer macht aus dem Oberteil eine schicke Bluse oder ein Top?), aus Kopfkissenbezügen und Tischdecken lassen sich Sommerröcke nähen (einfach um die Flecken drum herumschneiden), aus verfilzter Wolle entstehen Stulpen (schön verziert mit alten Knöpfen), Karostoffe werden zu Hosenbeinen an ausgemusterten Jeans und damit wieder tragbar, Ärmel an Jacken lassen sich locker mit Krawatten verlängern und das sieht dann auch noch edel aus. Überhaupt: Krawatten! Oft sind es edle Seidenteile, man kann Gürtel und Schals daraus machen, wenn man sie nicht als Kragen an die Jeansjacke dransetzt. Beim den „Plan-B“- Workshops haben wir die wichtigsten Hilfsmittel da: Nähmaschinen, Garne in allen Farben, Knöpfe, Reißverschlüsse, Snaps, Stoffverstärkung undsoweiter.

Es liegen mindestens 20 Nähbücher herum; in denen kann jede/r rumblättern, eine Idee entwickeln und einen Schnitt kopieren. Aber einige Erfahrene haben auch Schnittmuster dabei (vor allem von Taschen) und stellen sie großzügig allen zur Verfügung. Hier lernt jede/r von jeder/m, das ist ein Teil des Anziehungskraft von „Plan B“.

Brigitte Pappe kann mindestens zehn kreative Verwandlungsprozesse gleichzeitig im Auge behalten und beraten und verliert dabei nicht die Geduld. Immer wieder gibt es, sobald die Idee klar ist, Anweisungen: Hier durchtrennen, hier anstecken, hier nähen… Eine aus dem Team ist zuständig für die Maschinen, denn es dürfen auch TeilnehmerInnen kommen, die noch nie genäht haben. Es dauert aber höchstens eine Viertelstunde, da gelingt auch das. Selbst aus noch so kleinen Stoffresten lässt sich noch was machen; kleine Eulentäschchen, sehr pfiffige Armbänder, nützliche Utensilos. Immer wieder Ausrufe der Begeisterung: Guckt mal, das wird doch cool! Auch wenn viele Einzelstücke entstehen, sind es doch Gemeinschaftswerke; sie beruhen alle auf gegenseitigem Rat, auf der Ermutigung durch Lachen, auf dem Risiko zu etwas Neuem, das in einer netten Gemeinschaft gelingen kann.

Rund um die Textilwerkstatt haben wir andere Ideen des Upcycling zum Ausprobieren da: Aus alten Aktenordnern Lineale, CD-Hüllen und Garderobenhaken zu basteln, aus alten Kalendern Geschenktüten…da sind wir immer auf der Suche nach neuen Vorschlägen.

Was so viel Spaß macht und so viele Kräfte freisetzt, wird sicher noch eine Weile einladend bleiben. Deshalb geht es mit „Plan B“ in Koblenz noch einige Zeit weiter.

Jutta Lehnert

 

 

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2nd Hemd und Hose Markt am 24. und 25. Januar 2015 in der Kirche der Jugend Koblenz

Dezember3

Die Textilien sind bestellt bei der Fair-Wertung, gut sortiert und von besonderer Qualität. Dazu kommen noch viele Kleidungsstücke und Schuhe, die direkt gespendet werden. Eingerichtet wird der Markt ab Freitag, den 16. Januar 15 Uhr und ab Samstag, 17. Januar ab 9 Uhr. Wer Lust hat mitzumachen, kann sich eingeladen fühlen und melden!

Am MarktWochenende lohnt sich auf jeden Fall, sich viel Zeit zu nehmen und zum Stöbern und Anprobieren zu kommen!

Die Extras dieses Mal:

Textilwerkstatt „Plan B“ am 20. und 21. Januar 2015 jeweils ab 17 Uhr im bereits aufgebauten Markt und während des MarktWochenendes (mit der Stoffkünstlerin Brigitte Pappe)

Weitere Upcycle-Ideen, z.B. was man Nützliches aus alten Aktenordnern machen kann (mit Britta Mies & friends)

Töpfern mit einer Töpferscheibe für Kinder  (mit Maria Schönberger)

Und wie immer Kaffee und Kuchen im Café Empore in der Kirche, von dem man einen guten Blick in den Markt von oben hat!

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