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Reisebericht über die Jugendbegegnung in Ruanda vom 3. bis 13. Oktober 2012

Oktober24

Bericht über die Jugendbegegnung vom 3.bis 13. Oktober in Ruanda

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Ruanda im Februar 2009 – Bericht von (m)einer Reise.

März17

Wir hatten nur neun Tage Zeit, Benedikt Zimmermann von den Pallottinern in Haus Wasserburg und ich. Der Zweck der Reise war auch weniger allgemeine Erkundung des Landes sondern Kontaktaufnahme mit neuen Leuten, die mit unserem Projekt in Matimba zu tun haben und ein erstes Treffen mit dem neu gegründeten Koordinierungskreis dort. Dennoch blieb viel Zeit für Kigali und sogar für einen Abstecher nach Butare im Süden – das ging nur, weil in Ruanda die Entfernungen ja wirklich nicht weit sind, höchstens die Straßen schlecht und deshalb langsam.

Kigali explodiert: Die Regierung Kagame will der Stadt ein neues, international vermittelbares Aussehen verleihen – und so verschwinden die an die Hügel der Stadt klebenden Hütten und einfachen Behausungen, die zum größten Teil noch ohne Strom- und Wasserversorgung gewesen sind. Sie weichen aufwendigen Reihenhäusern, in die die ehemaligen BewohnerInnen – so hört man – wieder verbilligt einziehen sollen. Ganze Stadtviertel entstehen neu; ruandische Flüchtlingsfamilien, die seit 1959 dem Land den Rücken zugekehrt haben, kommen mit Vermögen zurück und können sich hier kleine Paläste bauen. Damit verschärft sich natürlich der soziale Graben zwischen ihnen und den sog. „survivors“, den Menschen, die im Land blieben und noch von den Gewaltausbrüchen 1994 traumatisiert sind. Das ist auch ein allgemeiner Vorwurf, den wir in Matimba, unserer Partnergemeinde, immer wieder hören: Die Überlebenden erhalten nicht genügend Förderung. Die Filetstücke der Stadt gehören aber längst ausländischen Firmen (Bill Gates zum Beispiel) und internationalen Konzernen. Das Stadt-Land-Gefälle ist riesig, wenn wir auch die Beobachtung machen, dass so nach und nach Stromleitungen gelegt werden. Aber an Wasser- und vor allem Abwassernetzen fehlt es nach wie vor, Grund für viele Erkrankungen, vor allem der Kinder.

In Kigali werden wir böse überrascht, als wir im Partnerschaftsbüro Rheinland-Pfalz die Liste der von uns geförderten SchülerInnen durchgehen und die Finanzen klären: Die Kagame-Regierung hat zwar die Absicht, den Unterricht von Schuljahr 1-9 kostenlos anzubieten (vorher:1-6), aber auf Kosten der weiterführenden Schulen. Das bedeutet, dass wir bei fast jedem Schüler/jeder Schülerin nahezu das Doppelte werden aufbringen müssen, wenn wir die neu eingeführten Prüfungsgebühren mitberechnen.

Salvain, der Jugendpfarrer und unser Freund aus Matimba, ist seit Januar der Direktor des mathematischen Gymnasiums von Nyarurema, eine kirchliche Schule in Trägerschaft der Diözese Byumba. Die 420 Schülerinnen und Schüler sind sehr interessiert daran, eine deutsche Partnerschule zu finden, weil sie gerne e-mails und Fotos austauschen wollen. Wir sind von der Disziplin und dem harten Tagesablauf des Internats überrascht: Wecken um 5.00 Uhr morgens, Lesen und Saubermachen bis zum Frühstück, dann Unterricht, Spülen mittags als Pausenfüller, Unterricht wieder bis 18.00 Uhr und nach dem Abendessen noch einmal Stillarbeit in den Klassen bis halb neun. Der neue Schulleiter hat aber begriffen, dass bei einem so dichten Lehrplan die Unterrichtsmethoden abwechslungsreicher sein müssen und gleich das ganze Kollegium ausgetauscht. Es gibt neuerdings auch Spiele und Tanz in den freien Zeiten, Gesprächsrunden und andere Angebote, die Spaß machen. Deshalb hat Salvain jetzt den Namen „Obama“. Da passt es ganz gut, dass eine Freiwillige aus Deutschland (Teresa Leiendecker), die im Juli 2009 ihren Dienst antritt, sich vor allem um die Mädchen der Schule kümmern soll, um mit ihnen ihre Freizeit zu gestalten. Sie wird im großzügigen Pfarrhaus von Nyarurema wohnen, bekocht von Esperance, „the best cook of Africa“.

Von hier ist es nicht weit, aber wegen der „african road“ doch lange bis nach Matimba, man fährt über Nyagatare, eine kleine Stadt, in der ebenfalls unglaublich viel neu gebaut worden ist. In Matimba wartet man schon auf uns: Emilien ist der neue Pfarrer und Fidel der neue Jugendkaplan. Sie werden unser Projekt unterstützen und sind uns gegenüber sehr offen und herzlich. Auch beim Treffen mit dem neu gegründeten Komitee für die Partnerschaft wird klar, dass die Sache, einmal mit Salvain begonnen, gut weitergehen kann. Die Unterhaltung in Englisch ist mittlerweile kein Problem mehr, auch wenn wir ab und zu stolz unsere paar Worte Kinyaruanda einfließen lassen, die wir so aufgeschnappt haben.

Das Nähprojekt der dynamique des femmes kann beginnen, die Jugendgruppenleiter freuen sich auf Simon Ney aus Saarbrücken, der ebenfalls im Juli kommen wird, der Kindergarten ist noch in den Anfängen, aber das Grundstück ist schon klar. Es gibt noch Wünsche: Eine Maschine, um Ananas in Saft zu verwandeln, damit man sie besser vermarkten kann, eine Holzwerkstatt für die vielen Jugendlichen, die ohne weiterführende Schulbildung geblieben sind und was Vernünftiges machen sollen….Wir nehmen die Vorschläge mit, klar.

Am Sonntag ist dann gemeinsamer Gottesdienst in der großen Pfarrkirche, mit Trommeln und Klatschen und Tanzen. Das Evangelium vom Gelähmten passt (das ist kein Zufall!): Jesus, eingekreist von Leuten, die dem Gelähmten keinen Weg frei machen, kann nur reden, nicht handeln, so sagt es der Text. Aber die vier Träger wissen, dass der Gelähmte (und jeder Notleidende!) in die Mitte gehört, decken das Dach ab und lassen ihn direkt vor die Füße Jesu in die Mitte der Gemeinde. So kommen Reden und Handeln wieder zusammen.

Wir haben Zeit für einen halben Tag im Akagera-Nationalpark, wo wir so viele Tiere (Giraffen, Zebras, Topis und Elefanten!) sehen, dass es selbst dem begleitenden Wildhüter ungewöhnlich vorkommt.

In Kigali nehmen wir uns die Zeit, endlich nach Nyamata und Ntarama zu fahren, zwei besondere Gedenkorte des Völkermordes von 1994. Es sind beides Kirchen, in die sich die bedrohten Menschen zu tausenden geflüchtet hatten. Aber ihre Verfolger brachen durch Wände, Decken und Fenster in die Kirchen ein und metzelten auf grausame Art die Verängstigten nieder, Kinder, Frauen, alte Menschen. Die Kirchen liegen voll mit ihren Kleidern, die zum Gedenken liegen bleiben sollen. Wasserkanister, Schulhefte, Schuhe und Schlafmatten sind aufgestapelt; das Ganze erinnert an Auschwitz. Die nebeneinander gelegten Schädel und Knochen zeigen den hilflosen Versuch, dieses unverständliche Grauen irgendwie (ein-) sortieren zu wollen. Weil die Kirche nicht zu ihrer Unfähigkeit, die Menschen zu schützen und zu ihrer eigenen Beteiligung am Völkermord stehen will, sollen beide Kirchen abgerissen werden. Das wird hoffentlich nicht gelingen, denn über der Tür steht jeweils: „Wenn du mich kennst und ich dich, töten wir uns nicht.“

Über Kigali und Gitarama geht es nach Butare, nicht nur wegen des Königspalastes von Nyanza, sondern auch wegen des Nationalmuseums von Ruanda. Hier ist die Geschichte des Landes gut dokumentiert, wenn auch die Fotos von Missionaren stammen und etwas voyoristisch auf mich wirken. Wir treffen uns mit dem Historiker Paul R., der sich vor allem mit der Geschichte der katholischen Kirche in Ruanda befasst hat und von dem wir Interessantes und Kritisches zu hören bekommen. Es ist wohl so, dass sich nur wenige Bischöfe und Priester in ihren Gemeinden am Versöhnungsprozess beteiligt haben, der ja vor allem die Gacacas beinhaltete. Das sind die sog. Grasgerichte, in denen die Schuldgeschichte einzelner Personen und Nachbarschaften aufgearbeitet wurde. Diese Zeit ist jetzt vorbei, die schuldig Gesprochenen leisten freiwillig Arbeit z.B. beim terrassierten Anlegen der Felder oder gehen ins Gefängnis (das kann man wählen, wobei man Letzteres wohl kaum empfehlen kann). Weil die Kirche sich aus diesem Prozess herausgehalten hat, verliert sie in der ruandischen Gesellschaft immer mehr an Glaubwürdigkeit. Die gut besuchten Sonntagsmessen scheinen also mehr Audruck eines allgemeinen religiösen Bedürfnisses zu sein oder auch ein Beharren auf der christlichen Tradition gegen die Weltabgewandheit der Kirche oder aber auch Zeichen für die nur schwach ausgeprägte Kritikfähigkeit gegenüger der Kirche. Prof. Paul R. jedenfalls war sehr interessiert, als unser Gespräch auf die Theologie von J.B.Metz hingewiesen wurde, der ja als erster in der BRD die Frage stellte: „Kann man nach Auschwitz noch an Gott glauben?“ „That is my question!“ war seine spontane Reaktion. Es geht also nicht nur um das Verhalten der Kirche nach dem Genozid von 1994, sondern auch um die tiefe Fragestellung, wie man angesichts dieser rohen Gewalt und dem mangelnden Einspruch der Kirche noch an Gott glauben kann.

Wie sehr die katholische Kirche ein von der Gesellschaft abgewandtes Eigenleben führt, zeigt auch, dass seit drei Jahren keine offiziellen Gespräche der Bischofskonferenz mit der Regierung geführt wurden. Sicher, dafür mag es politische Gründe geben (die Kagame-Regierung ist weit entfernt von Demokratie und Uneigennützigkeit, es herrschen eher Vetternwirtschaft und Bespitzelung), aber es gäbe dennoch rein humanitäre Fragen zu klären, etwa die nach der Bekämpfung von HIV und die Versorgung der Überlebenden oder die Bildungs- und Schulpolitik. Dass gerade in Butare, das einen liberalen Bischof hat, das erzkonservativste Priesterseminar direkt von Rom eingerichtet wurde, stimmt nicht hoffnungsvoll. Prof. Paul R. lehrt dort Geschichte und lässt die Studierenden mit seiner kritischen Sicht der Dinge nicht in Ruhe.

Von Butare geht es zurück nach Kigali; am letzten Tag müssen wir noch dringend Mitbringsel wie z.B. Stoffe besorgen. Klar ist auch, dass viele der schönen afrikanischen Stoffe längst in China hergestellt werden, andere kommen aus Kenia oder der Elfenbeinküste. Der Einfluss Chinas in Afrika (über Straßenbau bis hin zu chinesischem Haushaltskram auf den Märkten – „Zhing-Zhong“ nennt man diese nicht lange haltbaren Sachen in Simbabwe) wäre ein eigenes Thema…Aber wie wir hören, baut die STRABAG die neuen Straßen und auch den neuen internationalen Flughafen. Kagame scheint mit allen Geschäfte zu machen, Hauptsache, es klingelt ordentlich dabei.

Von Ruanda werden wir in unseren Medien vermutlich Mitte April etwas hören, denn es steht der Jahrestag an: 15 Jahre Genozid. Hoffentlich wird der Welt erstens bewusst, wie schändlich sie damals das Land im Stich ließ und hoffentlich wird es nicht gelingen, die Toten und die Trauer um sie politisch auszuschlachten.

 

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Projektstellen im komplizierten Kontext eines gefährdeten Landes: Ruanda

Dezember17

Wer sich heute für längere Zeit in Ruanda aufhält und ein wenig Sensibilität mitbringt, spürt, wie traumatisiert viele Menschen noch sind. Vor allem wenn es zu Begegnungen mit Rückkehrern aus Flüchtlingscamps oder mit Überlebenden des Völkermords von 1994 kommt, wird das Gefühl erdrückend. Ein kurzer geschichtlicher Überblick kann zwar die unbeschreibliche Gewalt der Übergriffe im Frühjahr 1994 nicht restlos erklären, aber zumindest die Entwicklung bis zu den Ereignissen aufzeigen.

Die ruandische Gesellschaft war noch in der 2. Hälfte des 19. Jdts. von Familienclans geprägt, die sich die Funktionen Ackerbau und Viehzucht aufteilten, was aber nichts mit ethnischen Zuordnungen sondern mit sozialen Kategorien zu tun hatte: Die Hutu bearbeiteten das Land, den Tutsi, die auch den Königsclan stellten, gehörte das Vieh – daneben gab es eine verschwindende Minderheit von Pygmäen (Twa), die wild die Wälder bewohnten. 1910 wird das Gebiet unter deutsches Protektorat gestellt, das die Tutsi Regierung unterstützt, auch gegen einen Aufstand der Hutu – wobei die beiden Bevölkerungsgruppen immer noch keine Ethnien darstellen sondern wirtschaftliche Unterscheidungen abbilden – verbunden mit den Gefühlen von Bevorzugung und Benachteiligung. 1916 wechselt die Kolonialmacht: Die Belgier treten sofort in ein konfliktives Verhältnis mit dem Tutsikönigshaus ein; Hutu, Tutsi und Twa werden 1933 per Einführung von Personalausweisvermerken zu Ethnien gestempelt, das Christentum wird gegen den Willen des bereits abgesetzten Königs Musinga zur Staatsreligion erklärt. Allmählich bildet sich mit belgischer Unterstützung und ideologischer Untermauerung der Weißen Missionare eine Ideologisierung heraus, die 1957 im sog. „Hutu-Manifest“ gipfelt, das stark an die Nazi-Gesetzgebung erinnert. Schon damals häuften sich die gewalttätigen Übergiffe auf die Tutsi, die in den Nachbarländern Schutz suchten. In diesen Unruhen kommt König Rudahigwa unter ungeklärten Umständen ums Leben – der Vorwurf bis heute: Die Belgier hätten ihn vergiftet.

Die nächsten Jahre sind von gewalttätigen Übergriffen gegen die Tutsi geprägt, wobei die politische Unabhängigkeit Ruandas der Gewalt neue Nahrung gibt. 1978 hat sich die Hutu-Bevorzugung in der Regierung durchgesetzt, Tutsi-Flüchtlinge werden ausgebürgert. In den Flüchtlingslagern in Uganda gründet sich die RPF, die Tutsi-Rebellenarmee, die 1994 durch ihren Einmarsch den Völkermord beenden wird. Ihr Anführer: Paul Kagame, der jetzige Staatspräsident. Eine zentrale Rolle bei der Ideologisierung und Indienstnahme einfacher Bauern spielte der Radiosender Ruandas, der mit Hasstiraden direkt zu Gewalt gegen die Tutsi aufrief. Die RPF hatte auch deshalb freie Hand bei der Rückeroberung Kigalis, weil die UNO-Friedenstruppen das Land im Stich ließ, obwohl die prekäre Lage der Weltöffentlichkeit bekannt war (eindrücklich nachzulesen in: Romeo Dallaire, Handschlag mit dem Teufel). Über die Deutung der letzten kampfreichen Wochen streitet noch die Geschichtsschreibung: Welche Rolle spielte die französische Armee an der Grenze zum Kongo? Wer schoss das Flugzeug des Hutu-Regierungschefs Hayarimana ab, was als Startschuss für den Völkermord gilt?

Wer diese Geschichte betrachtet, deren Leid vor allem durch die Kolonialmächte heraufbeschworen wurde und deren Konfliktlinien dermaßen durch Ideologisierungen belastet sind, kann verstehen, das der breit und langjährig angelegte Versöhungsprozess sich sehr schwer tut. Die Gacacas (verpflichtende „Grasgerichte“ in allen Wohnvierteln und Dörfern) leisteten zwar einen großen Dienst am Zusammenwachsen der ruandischen Gesellschaft, konnten aber Verschweigen, Korruption, Lüge und Rache nicht verhindern. So kann es also sein, dass (wie jüngst geschehen) in einer Schule wieder Symbole der „Hutu-Power“ auftauchen, was genau so verboten ist wie bei uns das Hakenkreuz. Die Regierung Kagame reagiert darauf äußert sensibel – mit der Androhung von hohen Gefängnisstrafen und Landesverweis. Gleichzeitig gibt es ein wirtschaftliches Agieren an dieser Historie vorbei: Die Regierung versucht mit allen Mitteln, Investoren nach Ruanda zu holen und hält sich dabei alle politischen Lager offen (mit erkennbarer US-Neigung!): Die USA haben gerade ein riesiges Botschaftsgebäude in Kigali hochgezogen, Bill Gates kaufte ein Grundstück in zentraler Stadtlage, China baute die teuerste Straße von Kigali zum Kivu-See (hier soll der Tourismus demnächst boomen), die STRABAG baut den geplanten internationalen Flughafen, Kuba und Venezuela schicken Ärzteteams…

Bei diesen Entwicklungen ist ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land wahrzunehmen: Konzerne und Banken erobern die Hauptstadt mit ihren Hochhäusern, während die Dörfer und Meiler weiterhin auf Stromversorgung, Wasserleitung und Abwassersysteme warten – was unverzichtbar ist, um der nach wie vor grassierenden Malaria die Stirn zu bieten. Dem wirtschaftlichen „Aufschwung“ der Zentrale sind die Menschen im Wege, die dringend Unterstützung brauchen: Die zahllosen Witwen, die traumatisierten Vergewaltigungsopfer, die AIDS-Kranken und AIDS-Waisen, die Überlebenden und Rückkehrer ohne sichere Existenz.

Das genau ist der Grund, warum das Projekt von Haus Wasserburg in Koorperation mit der KSJ in Matimba angesiedelt ist, eine verarmte Landpfarrei im Nordosten Ruandas, nahe an der Grenze zu Uganda. In den fünf Untergemeinden leben vor allem zurückgekehrte Flüchtlinge und Überlebende, mit einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen. Die Gemeinden sind geprägt von einem großen ehrenamtlichen Engagement: Die Frauengruppe Dynamique des femmes arbeitet an der Stärkung des Selbstbewusstseins von Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung, Jugendteams und – organisationen erarbeiten in workshops partnerschaftlichen und demokratischen Umgang, Katechetinnen und Katecheten sorgen für das Laienapostolat in der Kirche, HelferInnen und Helfer unterstützen tatkräftig notleidende Familien, Caritasleute arbeiten an der AIDS-Aufkärung und- prävention und entlasten die Familien von Betroffenen.

Gleichzeitig mit der Unterstützung dieser Arbeit fördert das Projekt Schülerinnen und Schüler durch die Zahlung von Schulgeld für weiterführende Schulen, die in Ruanda immer noch kostenpflichtig sind, und tritt ein für die praktische berufliche Ausbildung vor allem von Mädchen. Wer als Freiwillige/r Interesse an einem Einsatz in Ruanda hat, kann entweder in Matimba mitarbeiten (Begleitung der Jugendteams, Betreuung der geförderten SchülerInnen, Englisch-Nachhilfe-Unterricht, Kinderspielewochenenden, Frauen- und Mädchengesprächskreise usw.) oder in Kigali im Stadtteil Kicukiro, begleitet von Father Eric, dem Ortspfarrer (Straßenkinderprojekt und eine Behinderteneinrichtung).

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Begegnung mit Bischof Abastoflor

November19

Der Tag begann mit einem übervollen Gottesdienst für „ausgeschlafene ChristInnen“ in der Wallfahrtskirche von Haus Wasserburg. In einem Kurzinterview zu Beginn erzählte der Bischof über seine Stadt La Paz, über 3000 m hoch gelegen und in den letzten Wochen auch Schauplatz der Auseinandersetzungen um die angestrebte Umverteilung der Regierung Evo Morales. Auch in dem intensiven Gespräch am Nachmittag hielt der Bischof an seiner Hoffnung fest, dass es um Gerechtigkeit für die Armen gehen müsse. Es sei nur sehr schwierig, das politisch so klug anzugehen, dass keiner das Gefühl haben müsse, dabei an Macht oder Ansehen zu verlieren. Die Präfekten des Tieflandes, Gegner des neuen politischen Versuchs, hätten dem Referendum der Regierung längst zugestimmt – könnten das aber nicht so offen unterstützen, damit sie nicht an Ansehen bei der eigenen Anhängerschaft verlören.

Im Januar wird es sich also zeigen, ob die Vermittlungsversuche der Kirche und anderer Kräfte ihre Wirkung zeigen: Dann steht in einem Referendum der Kompromissvorschlag für die neue Verfassung zur Abstimmung. Bischof Abastoflor zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen in der Bolivienpartnerschaft. Dass es Freiwillige gebe, die für ein Jahr in den unterschiedlichen Projekten arbeiten, sei ein besonderer Ausdruck von Solidarität. Auch der 2nd Hemd und Hose Markt ist ihm ein Begriff: Er lobte das Engagement der Jugendlichen, das er ja schon im vergangenen Januar kennen lernen konnte und verstand es als eine Unterstützung in ihrem Kampf um Gerechtigkeit und Frieden in Bolivien. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Gesprächs bedankten sich für die Bereitschaft des Bischofs, ihre Fragen offen zu beantworten und vor allem in Details darauf einzugehen. Sie erhoffen sich ein baldiges Wiedersehen und versprachen, der Partnerschaftsarbeit verbunden zu bleiben.

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