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Jugendarbeit im Dekanat Koblenz im Bistum Trier
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Valentinstag

Februar14

Hier ein Gedicht von Erich Fried aus dem Jugendgottesdienst „HDL“ vom 13.2. :

 

Was es ist

 

Es ist Unsinn sagt die Vernunft

Es ist was es ist sagt die Liebe

Es ist Unglück sagt die Berechnung

Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst

Es ist aussichtslos sagt die Einsicht

Es ist was es ist sagt die Liebe

Es ist lächerlich sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich sagt die Erfahrung

Es ist was es ist sagt die Liebe

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Nikolaus 2010 contra Sarrazin

Dezember6

Das goldene Buch in meiner Hand

Ist euch allen wohl bekannt.

Ich schlage es auf wie jedes Jahr

Um zu sehen, was gut und nicht so gut war.

Es ist mein wichtigstes Requisit,

denn ich schreibe aufmerksam mit,

was ich sehe und höre und lese

hier einen Satz, dort eine These,

Streitpunkte aus der Öffentlichkeit,

Probleme und Fragen aus jüngster Zeit,

Kluges und Dummes, je nachdem

Es gibt ja vieles, das extrem

mich reizt zu Mahnung und Widerspruch

das steht alles hier im Buch.

Da stehn doch tatsächlich mittendrin

Sätze von Thilo Sarrazin.

Deutschland sei massiv bedroht,

durch ein Überaufgebot

von Türken, Menschen von weither,

aus Afrika, übers Mittelmeer,

von Frauen mit Kopftuch und fremder Kultur,

denn ihnen fehle jegliche Spur

an Fähigkeit, sich zu integrieren.

Der Beweis dafür ließe sich leicht führen:

sie bekämen Kinder in rauhen Massen

ohne sich auf unsere Kultur einzulassen,

blieben als Unterschicht blöd und dumm

säßen auf Behördenfluren herum,

um unsere Steuern einzusacken,

taugten nur zum Fladenbrotbacken

und zum Verkauf von Obst und Gemüse,

das sei seine Sozialanalyse.

Östliche Juden wären ihm lieber,

die wären von einem anderen Kaliber.

Sie hätten ein Klugheitsgen gezüchtet,

deshalb seien sie viel besser gerichtet

für die Wissensgesellschaft von heute.

Es wisse ja jeder, was das bedeute:

Deutschland braucht Menschen, die ihm nützen,

Kanns sich nicht leisten, die Schwachen zu schützen.

Loser seien überflüssige Esser

Unser Land entwickle sich ohne sie besser.

Weg mit dem Multi-Kulti-Geschwafel,

auch mit Hartz IV und den Armen der Tafel.

Leistung müsse wieder her,

sonst blieben die oberen Ränge leer.

Was deutsch sei, schaffe sich langsam ab,

schaufle durch Faulheit sich das Grab.

Wenn dann die Ausländer die Kinder bekämen,

würde das Fremde überhand nehmen.

Und die deutsche Kultur sei am Ende,

höchste Zeit, dass sich das wende!

 

Auf derselben Seite finde ich dann

Nicht nur Sprüche von diesem Bankenmann

Sondern ähnlich vorurteilsgespickte Sätze

Von einer Frau, die ich sonst eher schätze.

Das Kopftuch, das viele Musliminnen tragen,

sehe sie mit Unbehagen.

Es sei Ausdruck von Unterwerfung und Zwang,

für den Feminismus bedrohlicher Niedergang.

Es ging nicht um Ehrfucht vor der Frau,

oder um Schutz, das wisse sie genau.

Es sei Islamismus in politischer Form,

das Stück Stoff gehöre zu seiner Norm.

Es sei seine Flagge, sein Markenzeichen,

das die Mütter an die Töchter weiterreichen.

Körper und Haar der Frau zu verhüllen

Hieße, sie sei dem Mann zu willen

und komplett und total untertan.

Doch schau ich mir die Sache genauer an,

kann das Kopftuch recht vieles bedeuten

und ist vor allem leicht auszubeuten.

Klar trennt es die Frauen- von der Männerwelt,

was mir auch nicht gut gefällt.

Doch es taugt auch zum Protest,

gegen das, was frau sich sonst bieten lässt.

Ist es jederzeit ihr freier Entschluss,

dass sie immer mehr Haut zeigen muss?

Ist ihr Körper nicht kommerzialisiert

und wird diese Rolle nicht andressiert?

Kann frau sich dieser Erwartung entziehen,

Wird sie dann nicht als altmodisch verschrien?

Taugt Frauenbekleidung als Kampfobjekt?

Ist nicht vielmehr dahinter versteckt

die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit.

Damit sind wir noch nicht sehr weit.

Noch immer fehlt der gerechte Lohn

in der Kirche gilt immer noch Subordination

gesellschaftlich boomt die Prostitution

das ist die weibliche Situation.

Kein Wunder, wenn der Protest eskaliert

und zu sehr strengen Formen führt.

Am besten, wir führen Gespräche herbei

zum Thema was die Freiheit der Frauen sei.

 

Aber Sarrazin & Co

sind ein echtes Risiko.

Sie sprechen das aus, was viele denken,

die sich selten das Gehirn verrenken.

Es ist die bürgerliche Mitte,

sie hat erhebliche Defizite,

ist von einer tiefen Angst besessen,

und lässt sich von der Furcht erpressen

vorm Abstieg in die Unterschicht.

Verkennt dabei den Bösewicht:

Es ist unser gnadenloses Marksystem,

das ist das wirkliche Problem.

Es führt die Menschen gegeneinander.

Und statt solidarischem Miteinander

entstehen Missgunst und Vorbehalt,

So fest, dass an ihnen abprallt

der Gewinn von Fremde und Unterschied,

wenn man mit Klugheit auf sie sieht.

Die Sache war falsch aufgezäumt,

das wird ja endlich eingeräumt.

Als Arbeiter waren sie willkommen,

nur sind als Menschen sie gekommen.

Geld verdienen, und zwar schnell,

das Interesse war eben finanziell.

Dass Kulturen sich berühren,

schien niemanden zu interessieren.

Deshalb rate ich als Nikolaus:

Tragt endlich die Gespräche aus

in Offenheit und Selbstkritik

in allen Orten der Republik.

Pflegt Nachbarschaften, Freundschaften aller Art,

besprecht, was ihr dabei erfahrt.

Nur so weicht auf, was sich vermauert

und schon zu viele Jahre dauert.

Das ist die beste Medizin

Gegen das Gift von Sarrazin.

Im Schein der schönen Kerzenlichter

Seh ich offenn Menschengesichter.

Ich verlass mich auf Euch, dass Ihr Euch engagiert,

und die Sache in meinem Sinne anführt.

Macht Ihr mit? Abgemacht?

Dann habe ich Euch etwas mitgebracht!

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„Der Griff ins Hirn“ Texte vom 14.11

November15

 

Hier einige Texte Rundgang durch die Altstadt vom 14. November:

Gebet

Gott des Lebens,
wir gedenken der vielfältigen Versuche, Menschen zu entmenschlichen.
Bevor man gewalttätig wird und nach den Körpern der Menschen greifen kann,
muss man die Mitwisser und Mitläuferblind und gefügig machen.
Lass uns, indem wir diese Mechanismen durchschauen,
hellwach und kritisch sein gegenüber solchen Versuchen heute.
Lass nicht zu, dass Vereinfachungen, Vergröberungen und
andere Strategien der Meinungsmache nach unseren Hirnen und Herzengreifen. Mach aus uns Menschen mit
offenen Augen, hellhörigen Ohren, mutigem Mund und kritischem Geist. Amen

Station. Schulhof Görres-Gymnasium

Textauszug aus Victor Klemperer, Tagebuch vom 22. März 1933:

„Fräulein Wiechmann bei uns. Sie erzählt, wie in ihrer Meißener Schule alles vor dem Hakenkreuz kriecht, um seine Stellung zittert, sich gegenseitig beobachtet und misstraut. Ein junger Mensch mit dem Hakenkreuz kommt in irgendeinem Auftrag in die Schule. Sogleich beginnt eine Klasse von Vierzehnjährigen das Horst-Wessel-Lied zu singen. Singen auf dem Korridor ist verboten. Fräulein Wiechmann hat die Aufsicht. „Sie müssen das Gröen verbieten“, drängen die Kolleginnen. – „Tun Sie das doch! Wenn ich dieses Grölen verbiete, heißt es, ich sei gegen ein nationales Lied eingeschritten, und ich fliege!“ Die Mädel grölen weiter. – In einer Apotheke irgendeine Zahnpasta mit dem Hakenkreuz. – Eine Stimmung der Angst, wie sie in Frankreich unter den Jakobinern geherrscht haben muss. Noch zittert man nicht um sein Leben – aber um Brot und Freiheit.“

Einige Infos zum Horst-Wessel-Lied und zum Missbrauch der Musik

Aktuelles Beispiel: Der Missbrauch durch die Musik der Neonazis

Station: Zeitungskiosk Plan, „Extrablatt“

Der Missbrauch der Sprache am Beispiel „Gefolgschaft“ aus dem Buch LTI von Victor Klemperer

Aktuelles Beispiel: „Eigenverantwortung“

Station: Ehemalige Synagoge

Wie der Rassismus im Alltag funktionierte, die Geschichte „Der Ball“

Schlussgebet

Friede den Menschen, die bösen Willens sind,
und ein Ende aller Rache
und allen Reden über Strafe und Züchtigung.
Die Grausamkeiten spotten allem je Dagewesenen,
sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens,
und zahlreich sind die Märtyrer.
Daher, o Gott, wäge nicht ihre Leiden
auf den Schalen Deiner Gerechtigkeit,
fordere nicht grausame Abrechnung,
sondern schlage sie anders zu Buche:
Lass sie zugute kommen allen Henkern,
Verrätern und Spionen,
und allen schlechten Menschen,
und vergib ihnen um des Mutes und
der Seelenkraft der anderen willen….
All das Gute soll zählen, nicht das Böse.
Und in der Erinnerung unserer Feinde
Sollten wir nicht als Opfer weiterleben,
nicht als ihr Alptraum und grässliche Gespenster,
vielmehr ihnen zu Hilfe kommen,
damit sie abstehen mögen von ihrem Wahn.
Nur dies allein wird ihnen abgefordert,
und dass wir, wenn alles vorbei sein wird,
leben dürfen als Menschen unter Menschen,
und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde
den Menschen, die guten Willens sind,
und dass dieser Friede auch zu den anderen komme.

(Gebet aus dem KZ Ravensbrück)

 

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Dass ein gutes Deutschland blühe

Oktober6

 

Aus dem Jugendgottesdienst vom 3. Oktober

Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand,

dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen wie vor einer Räuberin,

sondern ihre Hände reichen uns wie andern Völkern hin.

 

Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein

von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir´s,

und das Liebste mag´s uns scheinen so wie andern Völkern ihrs.

 

(Bertold Brecht, nach der Melodie „Freude schöner Götterfunken“ von Ludwig van Beethoven)

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