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Jugendarbeit im Dekanat Koblenz im Bistum Trier

Plan B – aus Alt wird neu – und das mit viel Spaß am Erfinden – der nächste Workshop ist am 21.März in Maria-Hilf, Koblenz

März4

„ Plan B“ – Ein Projekt, das vom 2nd Hemd und Hose-Markt ausging und weite Kreise zieht

Die Fülle der Kleidungsstücke an jedem 2nd Hemd und Hose Markt reizt: Die einen bleiben stundenlang, um jedes Stück einzeln betrachten und viele anprobieren zu können – die anderen, um sich anregen zu lassen, mit den Stoffen oder Einzelteilen der Textilien zu arbeiten, die ja meistens von besonders guter Qualität sind. Dass wir in Brigitte Pappe eine Stoffkünstlerin gefunden haben, die wirklich jedem Stück noch eine zweite Chance geben kann durch ihre Kreativität und ihr Geschick, beflügelt seit zwei Jahren alle, die an den Workshops unter dem Label „Plan B“ aktiv teilnehmen. Mittlerweile bieten wir die Samstage (jeweils von 9.30 bis 18.00 Uhr) zum einen für Jugendliche, zum anderen für Frauen an, weil das Interesse so groß ist. Natürlich sind es vor allem Mädchen und Frauen, noch ist traditionellerweise die weibliche Hand näher an der Produktion und Pflege von Textilien als die männliche. Schade, aber es gibt schon Ausnahmen…

Das kennen wir ja alle: Eine Hose ist zu eng geworden, der Schnitt der Blousonjacke oder des Abendkleides ist mega-out, die Flecken aus der Tischdecke gehen nicht mehr raus, im Schrank liegen noch stapelweise Kopfkissenbezüge oder Tischläufer mit handgearbeitetem Richelieu-Muster (hat die Oma sicher monatelang dran gestickt!), es gibt zig Krawatten, die kein Mensch mehr trägt, einige Pullover sind zu heiß gewaschen, eingelaufen und verfilzt, also nicht mehr zu gebrauchen, das Karo-Muster des langen Rocks ist zwar noch schön, aber der Schnitt ist von vorgestern, die Jeans ist an entscheidenden Stellen eingerissen, das Sommerkleid ist zu eng geworden, die Ärmel am Mantel oder an der Jacke sind zu kurz…alles Problemfälle, die im 2nd Hemd und Hose Markt landen. Für all das gibt es Lösungen, keine Frage, man muss sie nur finden und ausprobieren. Manche TeilnehmerInnen bringen ihre „Problemfälle“ mit, manche bedienen sich an den Textilien und Stoffstücken, die wir vom Markt behalten haben. Sie wandern (gelegentlich angereichert durch ein Paket voller Kittelschürzen von der Firma Striebel) von Workshop zu Workshop.

Was man/frau braucht: eine ungefähre Idee, Mut, mit der Schere in den Stoff zu schneiden, etwas Geduld, denn Auftrennen gehört auch dazu, eine Nähmaschine, ein Bügeleisen und eine Gruppe von Menschen, die ermutigen und gemeinsam Spaß am Experiment entwickeln. Hier ein paar Ideen: eine zu eng gewordene Hose kann man umdrehen und in ein Trägerkleid verwandeln, ein Kleid kann man in zwei Teile zerlegen (wer möchte den Rock, wer macht aus dem Oberteil eine schicke Bluse oder ein Top?), aus Kopfkissenbezügen und Tischdecken lassen sich Sommerröcke nähen (einfach um die Flecken drum herumschneiden), aus verfilzter Wolle entstehen Stulpen (schön verziert mit alten Knöpfen), Karostoffe werden zu Hosenbeinen an ausgemusterten Jeans und damit wieder tragbar, Ärmel an Jacken lassen sich locker mit Krawatten verlängern und das sieht dann auch noch edel aus. Überhaupt: Krawatten! Oft sind es edle Seidenteile, man kann Gürtel und Schals daraus machen, wenn man sie nicht als Kragen an die Jeansjacke dransetzt. Beim den „Plan-B“- Workshops haben wir die wichtigsten Hilfsmittel da: Nähmaschinen, Garne in allen Farben, Knöpfe, Reißverschlüsse, Snaps, Stoffverstärkung undsoweiter.

Es liegen mindestens 20 Nähbücher herum; in denen kann jede/r rumblättern, eine Idee entwickeln und einen Schnitt kopieren. Aber einige Erfahrene haben auch Schnittmuster dabei (vor allem von Taschen) und stellen sie großzügig allen zur Verfügung. Hier lernt jede/r von jeder/m, das ist ein Teil des Anziehungskraft von „Plan B“.

Brigitte Pappe kann mindestens zehn kreative Verwandlungsprozesse gleichzeitig im Auge behalten und beraten und verliert dabei nicht die Geduld. Immer wieder gibt es, sobald die Idee klar ist, Anweisungen: Hier durchtrennen, hier anstecken, hier nähen… Eine aus dem Team ist zuständig für die Maschinen, denn es dürfen auch TeilnehmerInnen kommen, die noch nie genäht haben. Es dauert aber höchstens eine Viertelstunde, da gelingt auch das. Selbst aus noch so kleinen Stoffresten lässt sich noch was machen; kleine Eulentäschchen, sehr pfiffige Armbänder, nützliche Utensilos. Immer wieder Ausrufe der Begeisterung: Guckt mal, das wird doch cool! Auch wenn viele Einzelstücke entstehen, sind es doch Gemeinschaftswerke; sie beruhen alle auf gegenseitigem Rat, auf der Ermutigung durch Lachen, auf dem Risiko zu etwas Neuem, das in einer netten Gemeinschaft gelingen kann.

Rund um die Textilwerkstatt haben wir andere Ideen des Upcycling zum Ausprobieren da: Aus alten Aktenordnern Lineale, CD-Hüllen und Garderobenhaken zu basteln, aus alten Kalendern Geschenktüten…da sind wir immer auf der Suche nach neuen Vorschlägen.

Was so viel Spaß macht und so viele Kräfte freisetzt, wird sicher noch eine Weile einladend bleiben. Deshalb geht es mit „Plan B“ in Koblenz noch einige Zeit weiter.

Jutta Lehnert

 

 

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