Gott ist mein Co-Pilot

Jugendarbeit im Dekanat Koblenz im Bistum Trier

Wort zum Sonntag, 5. Juli 2015

Juli3

…und vergib uns unsere Schulden…

Die Bibel kennt von alters her die Tradition des Schuldenerlasses: Wenn Schulden nicht zurückgezahlt werden können und zu Armut und Verelendung führen, müssen sie erlassen werden. Das war nie eine populäre Maßnahme, deshalb taucht sie auch im Vater Unser des Jesus von Nazareth wieder auf: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben“, so steht es im Text. Gott erlässt dem Menschen die Schuld, die er bei Gott hat, wenn Menschen die Schulden erlassen, die andere bei ihm haben. Die Schuld des Menschen vor Gott besteht darin, unerbittlich und ohne Rücksicht auf negative Folgen für den Schuldner Schulden einzutreiben. Die Bibel kennt die Folgen: Gesellschaftlicher Ausschluss, Verarmung, Existenzängste und Krankheiten, im schlimmsten Fall auch der Tod des Schuldners. Und so verlangt die Vater-unser-Bitte den Verzicht auf das sture Einhalten von Verträgen und Gesetzen, die Menschen schädigen. Auch Schuldner müssen leben können – deshalb bittet das Vater-unser um Widerstand gegen das harte Gesetz, dass Schulden bezahlt werden müssen. Selbstverständlich ist es erlaubt, diese Sicht in einer medial überhitzten und einseitig geführten Debatte auf Europa und Griechenland anzuwenden. Die Bibel will politisch sein und Veränderungen bewirken; das Ziel ist dabei eine menschliche Gesellschaft in der Gerechtigkeit Gottes.
Jutta Lehnert

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